Emskopp Interview 2007
Nein, die Gitarren sind nicht tot
Die Dead Guitars im Emskopp-Interview:
Nicht einfach als eine – irgendeine – neue Band haben die „Dead Guitars“ ihr erstes Album „Airplanes“ herausgebracht. Musikalisch sind Pete Brough, Ralf Aussem und Carlo van Putten in jedem Fall schwerstens vorbelastet. Brough und Aussem spielten in den Achtzigern in der deutschen Kultband „Twelve Drummers Drumming“; Ralf Aussem komplettierte später das Line-up der Mönchengladbacher Grunger „Sun“. Carlo van Putten stand als Frontmann in den Reihen von „The Convent“ und spielte gemeinsam mit The-Sound-Chef Adrian Borland als „White Rose Transmission“. Die Musik der „Dead Guitars“ setzt nicht etwa einfach das Schaffen der einzelnen Musiker aus den Achtzigern fort. Vielmehr bewegen sich die Kompositionen in einem musikalischen Meta-Stadium. Das Ergebnis: „Airplanes“ spiegelt als außergewöhnliches Album die Charaktere der Akteure deutlich wider, ohne dabei seine Geschlossenheit einzubüßen. Die zehn Songs beweisen Tiefgang ‚extrem’: inhaltlich und musikalisch. Jetzt aber die „Dead Guitars“ im O-Ton:
1. Wie kam es zu den „Dead Guitars“, wo und wie haben sich eure Wege gekreuzt? Kanntet ihr euch von früher?
CARLO:
Wir kannten uns nicht persönlich aber musikalisch schon von früheren Zeiten. Peter Brough und ich trafen uns nachdem wir über einen gemeinsamen Freund von einander gehört haben das wir uns gegeseitig sehr schätzen. Peter mochte The Convent, aber vor Allem White Rose Transmission, wo ich in beide Bands für den Gesang zuständig war und ich mochte 12 Drummers Drumming, wo Peter Gitarre spielte. Da lag es ziemlich nah mal etwas zusammen zu machen. Vier Wochen später hatten wir 12 neue Songstrukturen auf Tape und 4 Songs im Studio aufgenommen. Als später Ralf Aussem dazukam (Sun & Twelve DD) waren wir das perfekte trio. Wir hatten anfangs Startschwierigkeiten mit Schlagzeug und Bass und haben dann entschieden das wir 3 den Kern der Band bilden und für Live Touren eine Rhytmusgruppe dazuholen.
PETER:
Ja, ich kann mich gut erinnern an das erste Treffen mit Carlo. Es war nach ein Paar Bier in einer Bar in St. Pauli wo wir beschlossen haben miteinender Songs zu schreiben. Es hat sofort zwischen uns gefunkt. Ich hatte im Laufe der Zeit einige Instrumental Ideen auf der Gitarre entwickelt und Carlo besitzt einfach die geniale Gabe mit seinen Texten + spontanen Melodien die Songs zu komplettieren.
2. Für euer Album „Airplanes“ habt ihr euch lange Zeit genommen – fünf Jahre immerhin. Das erscheint äußerst ungewöhnlich bei der heutigen Schnelllebigkeit.
CARLO:
Ja, das stimmt schon, es war eine lange Entwicklungsphase, diesmal hatten wir jedoch nicht den Druck, da es noch keine Plattenfirma gab. Es sollte unser Debut werden, kein zusammengeschnitzeltes Werk, sondern eine CD mit einer großen Dichte; wir wollten zusammen ein Gefühl entwickeln ohne Deadlines. Wir hatten kein Label, keine Pläne, aber viele Konzerte. Mit Echozone fanden wir ein Label, das mit der gleichen Leidenschaft seine Bands promotet, mit dem wir Musik machen. Mancher Wein braucht eben seine Zeit zum Reifen. J Wir hatten aber auch Material für 2 Alben erarbeitet.
PETER:
Zwischen Vertragsunterzeichnung mit dem Label und Erscheiningsdatum vergingen ca. 9 Monate, also lief das schon recht schnell. Davor hatten wir halt in veschiedenen Phasen und diversen Studios die Songs eingespielt.
3. Carlos poetische Texte, die gelungenen Kompositionen, dazu Ralfs Effektgitarren und Loops, inspiriert ihr euch gegenseitig sehr?
CARLO:
Danke für das Kompliment! Ja wir inspirieren uns absolut gegenseitig, weil wir ja auch alle an einem Strang ziehen. Wir verstehen uns blind. Ralf und Peter haben mir noch nicht eine Nummer vorgespielt die mir absolut nicht gefallen hat. Beide wissen worüber ich schreibe und untermalen dieses mit ihren Sounds und Melodien. Es ist eine Verschmelzung der Gedanken und Ideen. Es ist wirklich erstaunlich wie alles zusammenpasst. Ich bekomme fast immer eine Gänsehaut wenn die Beiden loslegen und singe dann meine Gesangsmelodien über den Gitarrenteppich.
PETER:
Das kann ich nur bestätigen. Viele Songs entstehen aber einfach so beim „Improvisieren“. Einer fängt an, der nächste steigt ein und Carlo singt dazu und innerhalb kürzeste Zeit ist ein Song geboren, ich meine innerhalb vom Minuten steht das Gerüst. Details kommen dann später. Es ist im Leben sehr selten einen Sangesbruder wie Carlo zu erleben der auf alles was von den Gitarren angeflogen kommt eine „Hook Line“ singen kann, und das auch noch mit fertigen Text.
Es hilft natürlich auch dass wir auch noch miteinander befreundet sind.
Das gegenseitige Vertrauen zueinander verschafft uns den Auftrieb in unzähligen Ebenen völlig befreit zu agieren, und somit unsere Kreativitätsquellen immer erneut anzapfen zu können.
4. Die ersten Stationen eurer aktuellen Tour habt ihr hinter euch gebracht? Euer Eindruck?
CARLO:
Unser Eindruck war überwältigend! Obwohl wir eine „neue“ Band sind kamen durchschnittlich viele Leute zu den Konzerten. Die Resonanz und die Kritiken waren absolut klasse. Ich glaube das wir in kurze Zeit viele Fans dazu gewonnen haben. Wir sind nie ohne Zugaben von der Bühne gegangen.
PETER:
Ja, das live Auftreten ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Dank unserer hervorragenden Rythmusgruppe mit Patrick Schmitz-Drums und Sven Olaf Dirks am Bass, schafften wir es stehts ein dynamisch,- und spannungsreichen Set abzuliefern.
Ich glaube unterm Strich dass es deshalb diese Band gibt. Was würden wir sonst tun wenn wir nicht auf der Bühne den direkten Kontakt zu den Konzertgängern erleben dürften ? Live, Live und immer wieder Live. Dafür machen wir das Ganze.
5. Wie geht es weiter? Habt ihr Pläne für einen Airplanes-Nachfolger?
CARLO:
Wir werden weiter arbeiten wie bislang. Wir werden uns die Zeit nehmen die Musik so zu kreieren wie wir es bisher getan haben. Gute Songs entwickeln sich. Live haben wir 2 neue Songs eingebaut und die Leute haben begeistert darauf reagiert. Wir haben noch einige Songs fertig und arbeiten zur Zeit an neues Material. Wir werden sehen wo das nächste Flugzeug landet und hoffen nicht das es eine Bauchlandung gibt J
PETER:
Ja, die Zeit nehmen wir uns. Jedoch, das zweite Album wird sicherlich nicht so lange auf sich warten lassen wie „Airplanes“, da wir (wie Carlo schon sagt) schon einige songs dafür in der Pipeline haben, und diesmal möchten wir das komplette Album möglichst in einem „Rutsch“ aufnehmen, wie Quincy Jones mal sagte: „Geh ins Studio, nimm das Zeug auf und geh wieder nach Hause“





