NEGAtief Interview 2007
Bitte erzählt doch erstmal über eure Entstehungsgeschichte; es scheint ein wenig, als hättet ihr euch aus den unterschiedlichsten Richtungen zusammengefunden. Wie kam es zur Gründung der Dead Guitars?
Die Entstehungsgeschichte ist eine sehr lange und vielleicht nimmt sie doch ein bisschen viel Platz weg hier. Nein ganz im ernst, es ist wie eine art Zusammenschwörung, so als ob wir uns gefunden haben. Soviele Zufälle gibt es gar nicht hinter einander. Peter Brough und ich trafen uns nachdem wir über einen Freund von Peter von einander gehört das wir uns gegeseitig sehr schätzen. Peter mochte The Convent, aber vor Allem White Rose Transmission, wo ich in beide Bands für den Gesang zuständig war und ich mochte 12 Drummers Drumming, wo Peter Gitarre spielte. Da lag es ziemlich nah mal etwas zusammen zu machen. Vier Wochen später hatten wir 12 neue Songstrukturen auf Tape und 4 Songs im Studio aufgenommen. Als später Ralf Aussem dazukam waren wir das perfekte trio. Wir hatten anfangs Startschwierigkeiten mit Schlagzeug und Bass und haben dann entschieden das wir die Songs zur Dritt zusammen schreiben und für Live Touren unsere Rhytmusgruppe dazuholen.
Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?
Es war ein Song den Adrian Borland (ex The Sound) für die 700 miles of Desert von White Rose Transmission schrieb. Kurz nach seinem Freitod in 1999 fanden wir ein gefallen an den Namen, es war eine Ironie, ein Widerspruch. Adrian war immer ein wunderbarer Musiker und Gitarist gewesen. Wie viele vor Ihn hatten schon gerufen das die Gitarren tot sind? John Lennon, Jim Morrison, Jimmy Hendrix. Alles Künstler deren Musik nicht ohne den Gitarrensound leben konnte. Wir dachten, ok die Gitarren sind tot? hier kommen die Gitarren. Die Dead Guitars.
Was würdet ihr als die hauptsächlichen musikalischen Einflüsse und vielleicht auch Vorbilder für euren Sound bezeichnen?
Ich besitze 2700 Vinylplatten und nochmal die gleiche Zahl an Cd’s Es gibt keine richtigen Vorbilder, aber Bands die uns geformt und geprägt haben. Wir wollten nicht wie irgendwer klingen, sondern unsere Vergangenheit und jahrenlange Erfahrung dazu gebrauchen etwas zeitloses zu schaffen. Eine Musik die man vor 20 Jahren hätte hören können und auch noch in 20 Jahren erträglich ist. Das macht man halt ohne effekten, pur und ehrlich. Wir werden momentan durch die Presse mit bands wie Talk Talk, The Cure, Coldplay und Radiohead verglichen, Vergleiche mit denen wir alle echt leben können und darauf sind wir natürlich auch stolz, aber ich glaube wer genauer hinhört findet noch vieles mehr in der Musik, auch unvergleichbares, hör genau hin ;-)
Wie fand das Songwriting für euer Debütalbum statt, wer hat was zur Platte beigesteuert, wie war der Ablauf?
Wie ich bereits sagte, es waren letzendlich Ralf, Peter und ich die Kern der Band sind, aber auch Kurt Schmidt (Bass) und Peter Körfer (Drums) habe dazu beigetragen das dieses Werk seine unglaubliche Vielseitigkeit bekommt. Wir machten den Grundriss, die Anderen färbten das gesammte Bild ein, mit ihre ganz eigenen Farben und Klänge. Wir haben uns vor allem Zeit gelassen und standen nicht unter den Leistungsdruck der Company. Wir haben ein Label die hinter der Cd steht und unsere kreativität nicht eingeschränkt hat. Es steuern soviele jetzt an dieser CD mit, ohne denen wären wir nirgens. Touragentur, Plattenlabel, Publisher und die Promofirma arbeiten Hand in Hand mit uns, so etwas habe ich bislang noch nicht erlebt.
Was steckt hinter dem Albumtitel „Airplanes“, wie steht er im Bezug zum Rest des Albums?
Es war eine Aussage mit dem Inhalt das Alles irgendwann einmal auch wieder runterkommt was einst sich traute abzuheben. Ähnlich wie „what goes up, must come down“ Ich liebe es halt selbst solche Sätze zu kreieren. Ich war es satt den Bush seine Reden zu hören, wo er den Glauben an Gott dazu benutzt die Welt in den Abgrund zu helfen. Ich habe in den Song mehrere Textfragmente eingebaut die sich bezogen auf mein Leben. Der Tod, der Abschied und die Tatsache das alles eine Entscheidung ist die du selbst nehmen kannst. Nur du alleine trägst die volle Verantwortung.
Hat „Airplanes“ ein durchgezogenes Konzept, oder sind alle Songs für sich alleine zu betrachten?
Es ist nicht unbeding ein Konzept Album, aber hat die Dichtheit davon. Ich war selbst so überrascht als ich die Titel zum ersten Mal hinter einander gehört habe in dieser Reienfolge.
Es klinkt wie ein Konzept und doch stehen alle Songs für sich. Wie eine Reise durch eine Welt voller Tiefen und Höhen mit am Ende immer das helle Licht vor den Augen.
Wie entstanden die Lyrics, und wovon sind sie inspiriert?
Als Songtexter bin ich inspiriert von all jener Dinge die etwas in mir bewegen. Ich habe so vieles erlebt das es eigentlich für 2 Leben reichen würde. Ich fühle mich oft wie zB. Vincent van Gogh, ich habe all seine Briefe gesesen. Mir geht es oft genauso, du siehst dinge und malst sie auf, schreibst etwas dazu. Eigentlich denke ich oft, wem interessiert das schon was du schreibst, vielleicht ist es nicht für das Jetzt, sondern für später. Ich kann aber nicht leben ohne die Momente auf zu schreiben um sie zu verarbeiten. Ich achte immer darauf das der Klang der Worter schön sind und so offen das sie durch ein jeder frei zu interpretieren sind auf seiner eigenen Weise. Was gibt es schöneres, wenn es jemand gibt der deine Songs zu seiner macht? Es ist der Tot, der Abschied, die Entdeckung, der Auftrieb, die innere Kraft zu Leben die sich in meine Texte spiegelt. Es gibt keine Message, ich sage mir selbst oft: „ Steh auf, sei stark und mach weiter“ Das war im Ganzen worüber ich geschrieben habe. Trau dich, einfach mal abzuheben. Nur die Toten Fische schwimmen mit den Strom.
Habt ihr einen Lieblingssong auf der CD?
Wir haben unsere Lieblingsong auf der Cd aufgenommen, wir hatten in 4 Jahre Arbeit Songmaterial für mindestens einer Doppel Cd. Dann haben wir angefangen ganz kritisch auszusuchen. Die Songs die auf Airplanes stehen sind unsere Lieblingsongs.
Habt ihr eine bestimmte Zielgruppe, ein bestimmtes Publikum für „Airplanes“ im Kopf, oder ist euch das egal?
Es gibt bei euch in Deutschland diesen schönen Satz: „der Knochen kommt niemals zum Hund“ Wir werden sehen wer unsere Zielgruppe wird, bei uns auf der Cd steht kein Mindestalter und auch keine Altersgrenze. Unsere Konzerte werden besucht von Franz Ferdinand, Interpol und Kaiser Chiefs Fans besucht die gerade mal 18 sind, aber genauso haben wir ein älteres Publikum die den alten Helden der Achziger immer noch vermissen. Es ist wie bei U2, oder Coldplay bunt gemischt.
Heute ist der Musikmarkt sehr von elektronischer Musik geprägt – glaubt ihr, das Gitarrenmusik vom Aussterben bedroht ist? Und wenn ja: was kann oder sollte man dagegen tun?
Ich glaube das es heute mehr als je zuvor „Hoffnung“ für uns gibt. In der Vergangenen 20 Jahren dürfte man die „80er“ nicht einmal mehr erwähnen. Heute gibt es so viele verschiedene Bands die die „80er“ Vorväter wieder nennen dürfen in ihren Interviews. Die Mängel sind eigentlich nicht neu. Es wird solange auf einer Trend rumgehämmert das sie letztendlich den Geschmack wieder verlieren wird. Zumindest befürchte ich das. Uns gab es bereits in den achtziger Jahre, uns gibt es immer noch, nur in einer anderen Form. Die Gitarren werden immer wieder neues Leben eingeblasen werden, immer dann, wenn es wieder einen Overkill an elektronischer Beats gibt.
Wie würdet ihr „Airplanes“ in drei Worten beschreiben?
Fliegen ist schöner ;-)
Werdet ihr mit dem Material auch Live unterwegs sein? Und wenn ja, wie darf man sich eure Konzerte vorstellen?
Ja wir sind auf Tour und zwar in den folgenden Städte:
01.06.2007 D-Berlin, K17 (+ White Rose Transmission)
02.06.2007 D-Bremen, Tower (+ White Rose Transmission)
03.06.2007 D-Hamburg, Logo (+ White Rose Transmission)
09.06.2007 D-M'gladbach, Café Message,
10.06.2007 D-Köln, UndergroundD-Viersen,
29.07.2007 Eier mit Speck-Festival 2007
Wie es aussehen weiss ich nicht, wenn ich das wüsste würde ich sofort aufhören Musik zu machen. Ich weiss vorher nie wie, oder ob ich je wieder runterkommen werde von der Bühne, aber es werden viele schöne Gitarrensounds in den Gehörgänge eindringen
Wie kamt ihr auf die Idee zum Video für „Name of the Sea“, warum genau dieser Song, warum ein Video? Erzählt mal ein bisschen vom Dreh und über das Konzept für den Clip!
The Name of the sea ist eine Zeitreise zurück in der Zeit wo die Liebe seine Naivität noch hatte, wo man dachte das alles endlos weitergeht wie das Meer, der Horizont und der Himmel. Dann würde ich ein Künstler und habe mich selbst betrogen mit der niemals endende Sucht nach Liebe und Zuneigung. Ich habe mich daran betrunken und bin darin fast ertrunken. Ralf Maier hat das Video gedreht und wir fanden es einfach nur genial. Wieder jemanden gefunden der uns versteht.
Ein weiteres Phänomen, neben dem scheinbar unaufhaltsamen Vorrücken elektronischer Musik sind Casting-Bands. Wie steht ihr, als gestandene Musiker, zu Castingshows und deren Kandidaten?
Ein Jeder soll machen was er/sie will oder mochte. Zum Glück hat der Fernseher einen Knopf zum ausschalten. Hier bei uns in den Niederlanden werden viele Horrorkonzepte für das Fernsehen ausgedacht die zur verblödung der Menscheit beitragen. Aber wollen wir gerettet werden? Ich glaube nicht... it’s just entertainment sang Paul Weller mal, wie wahr, Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger. Ich würde mich nie anmelden bei einem Talentwettbewerb, nicht als ich 16 war und auch heute nicht. Wir hatten nie Flüchtiges zu verkaufen.
Was sind eure Ziele für Dead Guitars, wo seht ihr euch in fünf Jahren?
John Lennon würde erschossen als er die glücklichste Periode seines Lebens eingegangen war, meine Mutter starb bereits mit 41 als sie gerade wieder frisch verheiratet war. Ich habe mir nie gefragt was ich machen werde in 5 Jahre. Ich war mal KFZ mechaniker nebenbei, jetzt bin ich Teilzeitdozent an einem Gymnasium. Wenn Bush nicht bald seine Truppen zurückzieht aus Irak.... wer weiss schon was passieren wird. Weiterhin zeitlose Musik machen und kreieren und dann im Himmel kommen ;-)
Habt ihr ein Motto, dem sich die ganze Band anschließen kann?
Die Gitarren sind tot?? Es lebe die Gitarren!!! ;-)
Vielen Dank und viel Erfolg mit „Airplanes!“
Ich bedanke mich rechtherzlich für das Interesse und deiner Geduld bei meinem Selbstgespräch ;-)
Ich hoffe wir sehen uns irgendwo auf einer der Konzerte.
Liebe Grüsse, Carlo






