Nightshade Interview 2007
Die "Dead Guitars" bestehen bereits seit 2002, aber erst jetzt, im Jahre 2007, erscheint euer Debütalbum "Airplanes". Warum habt ihr die Menschheit so lange auf euer erstes Werk warten lassen?
Wir hatten nicht den Druck. Es sollte unser Debut werden, kein zusammengeschnitzeltes Werk, sondern eine CD mit einer großen Dichte; wir wollten zusammen ein Gefühl entwickeln ohne Deadlines. Wir hatten kein Label, keine Pläne, aber viele Konzerte. Mit Echozone fanden wir ein Lable, das mit der gleichen Leidenschaft seine Bands promotet, mit dem wir Musik machen. Mancher Wein braucht eben seine Zeit zum Reifen.
In der heutigen Zeit ist es schwer, sich am Musikmarkt durchzusetzen. Nennt mir doch bitte drei Gründe, warum die "Dead Guitars" sich gegen Hip Hop und "Pop Idol"-Casting-Opfer ihren Platz sichern werden.
1e Grund: Wir haben wirklich großes Glück das es sich bei uns mehr um eine zeitlose Variante von musizieren handelt. Ich will nicht behaupten das wir neu im Trend sind, aber wir haben doch einen Einfluss gehabt in den vergangenen Jahren, wovon wir jetzt immer noch profitieren. 2e Grund: Unsere Chancen sind jetzt besser als je zuvor um vielleicht nicht durchzubrechen, aber wieder eine Rolle zu bekommen mit schöne und ehrliche Musik mit viel Gefühl. 3e Grund: Wir haben uns nie beschäftigt was die Anderen machen und andere Musik nie als konkurenz betrachtet. Jeder macht wo er gut drin ist. Wir experimentieren immer noch. Es ist gerade dieser Grund der die Presse anscheinend an uns schätzt.
Wie ich auch in meinem Review geschieben habe, wird man bei euch nicht zugedröhnt, sondern die Musik scheint sich langsam und schleichend in einem zu manifestieren, und schafft eine Athmosphäre, die an Kerzenschein und Sonnenuntergänge erinnert. Wie wichtig ist es für die Menschen Ruhepole in der modernen Lärm- und Stressgesellschaft zu finden?
Es ist in erster Linie für uns wichtig gewesen um in unsere Musik einen Ruhpol zu finden, um Atmosphäre zu kreieren. Wir wollten ein dichtes und abwechselndreiches Album schaffen. Ich denke das es viele Menschen gibt die diese Ruhe auch spüren. Wenn das so ist haben wir unsere Zielgruppe erweitert ;-)
Allgemein wirken eure Songs sehr melancholisch und schwermütig. Aber an gezielten Stellen kommt dennoch, wie mir scheint bewußt platziert, eine Hoffnungsstimmung auf. Wieviel davon spiegelt euere eigene Mentalität wieder, und wie bewußt achtet ihr auf die Stimmungselemente, die ihr in eueren Songs einsetzt?
Airplanes ist ein schönes Bild, ein Bild von fliegen, von Mut, Stärke, Unbefangenheit und vertrauen für mich. Airplanes is ein atmosphärisches Album es schwebt über den die dunklen Wolken seiner selbst. Sie will höher und frei sein von Zeit und Raum. Frei von schweren Gedanken die Sonne und das Licht entgegen. Es ist ein Album das aus dieser Kraft entstanden ist. Melancholisch zu sein hat wenig mit depressiv zu sein zu tun. Es ist ein Emotionsüberfluss. Etwas wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben das es einen zu Tränen rührt, da ist von Depressivität nicht die Rede. Für mich ist als Texter wichtig das ich michselbst sein kann, Peter Brough und Ralf Aussem verstehen diese Worte und setzen sie prächtig um in den wunderschöne Gitarrensounds.
Europa wächst immer mehr zusammen, und auch sonst fallen die Grenzen in der Welt. Welchen Einfluss hat das auf euch, sowohl im Privatleben, als auch als Musiker?
Wir sind eine internationale Band. Ralf kommt aus Deutschland, Peter Brough aus Schottland und ich komme aus den Niederlanden. Wir sprechen aber alle die gleiche Sprache der Musik.
Diese Sprache verbindet uns. Wir fühlen uns aber in Deutschland sehr wohl, die Deutschen sind meiner Meinung nach ein vielseitig orientiertes Publikum. Wir sind alle immer sehr erfolgreich gewesen. Ich wohne in der Nähe von Amsterdam und vermisse Deutschland manchmal sehr. Ich fühle mich wie ein heimatloser Europeër ;-)
Auf der anderen Seite gibt es Brennpunkte auf der Erde, wo Krieg und Terror einfach nicht abzuebben scheinen, oder Hungersnöte die Menschen seit Jahrzehnten plagen. Welche Möglichkeiten haben wir hier im Wohlstandseuropa, diese Missstände zu beseitigen? Und warum wird das nicht umgesetzt?
Ich habe gerade gestern eine Reportage gesehen mit Bono von U2, er hat einen grossen Einfluss auf Politiker, die Kirche und der Industrie. Er hat mit sehr viele Menschen um den runden Tisch gesessen und ein Teil der dritte Welt schulden ist bereits erlassen. Es bleibt viel zu tun. Ich habe nur beschränkt Einfluss. Ich erzähle meine Schüler viel über Politik und Filosofie. Mein Ziel ist es dabei sie immer beiden Seiten der Schneide vorzuhalten. Ich habe den Vorteil das sie mir gerne zuhören. Ich umschreibe in meine Texste die Ängste vor den grossen Mächte, wie zB in Airplanes, aber ich umschreibe das Gefühl der machtlosigkeit gegen das Unrecht. Ich war nie der dicke Zeigefinger Texter. Verbesser die Welt und fange bei dir selbst an ist eher meine Divise.
Wenn ich mir eueren Song "Crash" anhöre, stellt sich mir die Frage: Wie wichtig sind Menschen, die einem Halt geben, Geborgenheit schenken und in schweren Zeiten zur Seite stehen?
Es geht in den Text darum das ich mich allein gelassen gefühlt habe als sich Adrian Borland (the Sound) in London vor einem Zug geworfen hatte. Wir waren sehr eng befreundet. Ich durchlief drei Fasen nämlich: die Trauer, die Wut und danach die Vergebung. Zuerst hast du Selbstmitleid und das ist völlig ok, danach die Wut mit Fragen wie: warum hat er nichts gesagt, wie konnte er mir das antun nachdem wir so close waren. Und dann denkst du dir das er es so wollte und er dadurch vielleicht frei war. Letztendlich habe ich daraus gelernt das er mich vor die gleiche Gedanken bewahrt hat indem ich gesehen habe wie Anderen darunter leiden. „He saved me from the crash, no reason left to die for”.Es ist verdammt wichtig Menschen zur Seite zu stehen in Zeiten die manchmal nicht unsere erscheinen.
Ist vielleicht diese Liebe sogar das einzige, was uns als Menschen eine Daseinsberechtigung gibt?
Ich glaube nicht, aber es ist das einzige was der Mensch anstreben sollte. Du wirst es nicht immer umsetzen können, aber man sollte es durchaus weiter anstreben. Alles was in Liebe ist getan, wird am Ende überleben. Ich bilde mir ein das in den letzten sekunden eines Lebens der „Lebensfilm“nochmal abläuft. gabst du Liebe wirst du in Liebe gehen, gabst du Hass und Dunkelheit, werden dir die Bilder vorgespielt. Ich glaube nicht an einen Himmel, oder Hölle mit Petrus am Tor. Ich glaube an das Gewissen seiner Selbst.
Wenn ihr vor der Wahl ständet, entweder einen großen Krieg in nahen Osten zu verhindern, oder ein wirksames Heilmittel gegen sämtliche Formen von Krebs zu erfinden, was würdet ihr tun? Und wieso?
Der Krieg im nahen Osten ist bereits voll im Gange, die Krankheit Krebs ist für viele bereits besiegbar. Ich kann nicht den Richter spielen zwischen gut und gut, oder böse und böse. Meine Mutter wäre noch am Leben ohne Krebs. Ohne den Krieg 3500 amerikanische Soldaten und nochmal so viele Zivilisten auch. John Lennon sagte im besagten amsterdammer Hilton: „stop the war now!“ es gib nur Krieg, oder Frieden, nichts dazwischen. Ich kann den nur zustimmen... stop the war! now !!! Und weiter bin dankbar für die viele tausende Ärtzte die ständig krebserkrankte Menschen helfen durch zu kommen und oft heilen können.
Im Juni präsentiert ihr euer Programm auch live auf der Bühne. Als erfahrene Musiker kennt ihr das Gefühl schon lange, was ist für euch das schönste an einem Live-Auftritt?
Wie es aussehen weiss ich nicht, wenn ich das wüsste würde ich sofort aufhören Musik zu machen. Ich weiss vorher nie wie, oder ob ich je wieder runterkommen werde von der Bühne, aber es werden viele schöne Gitarrensounds in den Gehörgänge eindringen. Das schönste ist das Live nichts vorprogramiertes hat, es ist damit eine Momentaufnahme und niemals in dieser Form nachzustellen. Ich liebe es live zu spielen und die Band auch. Wir sehen uns!
Wenn ihr euch für das nächste Album einen Gastsänger aussuchen könntet, egal ob tot oder noch am leben... Wen würdet ihr nehmen, und wieso?
Es gibt viele ;-) Ich würde statt einen „Club der toten Dichter“ einen „Club der toten Sänger“ machen. Jim Morrison, Kurt Cobain, Ian Curtis und Adrian Borland wären sicherlich mit von der Partei, wenn ich singen würde....“wild life is the only life so rip the flesh of from my bones“ ;-)
Und angenommen euer Album würde sich unertwarteterweise fast gar nicht verkaufen, welche Konsequenzen würdet ihr daraus ziehen?
Wir werden weitermachen wie bisher, Songs aufnehmen und zeitlose Musik kreieren. Hoffen das unser Lable immer noch an uns glaubt und sich über die Tatsache bewusst ist das die Zeiten der downloads die Verkaufszahlen mindern. Wir haben es nicht immer in der Hand, aber es ist in Liebe gemacht. Wir werden dann nicht in den Charts kommen, aber vielleicht im Himmel? ;-) Die Gitarren sind tod? Es lebe die Gitarren !!




