Pop Connection Interview 2007


Ihr habt bereits in Bands wie „The Convent“ oder „Twelve Drummers Drumming“ gespielt. Wie seid ihr drei überhaupt aufeinandergetroffen?

Peter Brough und ich trafen uns nachdem wir über einen Freund von Peter von einander gehört das wir uns gegeseitig sehr schätzen. Peter mochte The Convent, aber vor Allem White Rose Transmission, wo ich in beide Bands für den Gesang zuständig war und ich mochte 12 Drummers Drumming, wo Peter Gitarre spielte. Da lag es ziemlich nah mal etwas zusammen zu machen. Vier Wochen später hatten wir 12 neue Songstrukturen auf Tape und 4 Songs im Studio aufgenommen. Als später Ralf Aussem dazukam waren wir das perfekte trio. Wir hatten anfangs Startschwierigkeiten mit Schlagzeug und Bass und haben dann entschieden das wir die Songs zur Dritt zusammen schreiben und für Live Touren unsere Rhytmusgruppe dazuholen.



Du hast unter anderem mit Mark Burgess (The Chameleons) und Marty Wilson-Piper (The Church) zusammengearbeitet. Wie kam es zu diesen Kooperationen?

Es gibt, oder gab nicht viele Bands in den spät Achziger die den Post punk überlebt haben und etwas zu sagen hatten. Ein paar schafften es, wie damals die Simple Minds, U2 und the Cure, die anderen blieben im Untergrund ohne die aufmerksamkeit der Medien. Bis letzendlich ihre Fanschar so geschrumpft war das diese Bands nicht überleben konnten, weil die Säle immer kleiner würden indem sie spielten. Wir hatten grosses Glück mit The Convent und spielten in 1990 immer noch vor ausverkauften Säle in Deutschland. Selbst behielt ich immer die englische Szene im Auge, weil ich die sehr mochte. So lernte ich Adrian Borland von The Sound, Mark Burgess von The Chameleons, Chris Reed von den Lorry’s, Marty Willson Piper und Steve Kilbey von The Church kennen. Wir mochten uns, respektierten uns, gingen zusammen auf Tournee oder arbeiteten zusammen im Studio. Es ist die Liebe für die gleiche Musik die uns zusammengebracht hat denke ich. Aber daraus entstand mehr als eine Kollegialität.Wir sind jetzt einfach gut befreundet.



Würdest du sagen, dass der Sound der Dead Guitars viel von euren eigenen Einflüssen oder musikalischen Vorlieben widerspiegelt?

Ich würde lügen wenn ich nein sagen würde. Klar spiegeln sich Einflüsse von Anderen in unsere Musik wieder. Ansonsten müsste man taub geboren werden, ein Instrument lernen und auf einmal das Gehör wiederbekommen um anschliessend seine ganz „Eigene“ Musik zu komponieren. Morrissey liebt die Musik von Bowie, Bowie is Fan von Scott Walker, Scott Walker von Sandie Shaw undsoweiter. Irgendwie sind wir alle beeinflusst von Jemanden. Manche schreiben das „airplanes“ nach der Disintigration von The Cure klinkt, ein anderer schrieb das es die beste Cd nach der Ok Computer war und Talk Talk kam auch schon ein paar Mal vorbei. Wir können gut damit leben :-)

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Dadurch, dass ihr drei alle schon lange im Musikbuisiness unterwegs seid und in diversen größeren Bands gespielt habt, bringt ihr alle einen gewissen Erfahrungsschatz mit in die Dead Guitars ein. Fühlt ihr euch trotz allem als Newcomer?

Es ist jedes Mal schön mit ein neues Album an den Start zu gehen wo man alle Erfahrungen in einer anderen Form unterbringen kann. Veröffentlicht man unter einer unseren früheren Bands und Projekten ein Album ist die Erwartungshaltung der Fans und auch der Presse immer ein wenig vorbelastet. Mann fängt wieder mit ein neues Werk an und wird auch so gesehen. Ralf und Peter verstehen worüber ich singe. Sie verkörpern dieses in und mit ihrer Musik. Es kommt ganz einfach zusammen, wir können uns gegenseitig dermaßen begeistern, so als ob wir eine völlig neue Band sind und zum ersten Mal anfangen zu musizieren. Jedoch mit einem kleinen Unterschied: die Erfahrung. Es klinkt gleich frisch und neu, obgleich es nicht immer neu ist. Es entstehen unterschiedliche Färbungen und Prägungen, dadurch entsteht die Wechselwirkung der Emotionen in der Musik.



Ihr habt euer Album „Airplanes“ zusammen mit Guido Lucas aufgenommen. Warum habt ihr euch für ihn als Produzenten entschieden, er ist ja sonst eher für unkonventionellere, härtere Sachen berühmt und berüchtigt?

Guido Lucas versteht einfach sein Handwerk, ich habe viel in Studio’s gearbeitet, wo wir auch klasse Produzenten hatten, aber mit den Dead Guitars wollten wir in ein Studio gehen welches weniger „Achziger“ orientiert war. Was Guido kann und macht ist Einzigartig. Er produziert vielleicht viele härtere Sachen wie zB. Blackmail, aber im Grunde spielt das keine Rolle um auch andere Musik zu verstehen. Guido liebt auch Nick Drake und viele andere Sachen. Ich würde ihn umschreiben als ein Purist, der es versteht das weniger oft mehr ist und wir sind damit um eine schöne Erfahrung reicher. Das Album hat damit gewonnen, vor allem das die Musik darauf nicht datiert klinkt, aber den Guido Lucas Zeitgeist trägt. 2-3 Songs würden von Rainer Assmann gemixt, er war auch verantwortlich für die erste 12DD Lp damals.



Wie lief die Zusammenarbeit? Seid ihr mit dem Endresultat des Albums zufrieden?

Airplanes ist ein schönes Bild, ein Bild von fliegen, von Mut, Stärke, Unbefangenheit und vertrauen für mich. Airplanes is ein atmosphärisches Album es schwebt über den die dunklen Wolken seiner selbst. Sie will höher und frei sein von Zeit und Raum. Frei von schweren Gedanken die Sonne und das Licht entgegen. Es ist ein Album das aus dieser Kraft entstanden ist. Melancholisch zu sein hat wenig mit depressiv zu sein zu tun. Es ist ein Emotionsüberfluss. Etwas wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben das es einen zu Tränen rührt, da ist von Depressivität nicht die Rede. Für mich ist als Texter wichtig das ich michselbst sein kann, Peter Brough und Ralf Aussem verstehen diese Worte und setzen sie prächtig um in den wunderschöne Gitarrensounds.

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Wenn man sich euer Album „Airplanes“ so anhört, dann fallen vor allem die breit angelegten Gitarren-Wände auf, in die der Gesang eingebettet ist. Würdest du sagen, dass das charakteristisch für euren Sound ist oder wie würdet ihr euren Sound definieren?

Die Gitarrenwände sind das Werk von Ralf, er ist in meine Augen ein Fenomeen. He’s a guitar and sound wizard! Ein Zauberer, wirklich! Die Gitarren sind tot??? Es lebe die Gitarren !! :-) Ja absolut charakteristisch für die tote Gitarren, danke Ralf!



Es gibt bereits einige Rezensionen zu „Airplanes“, in denen fehlende Abwechslung bemängelt wurde. Wie seht ihr das? Muss sich ein Album eurer Meinung nach von Track zu Track neu erfinden, um interessant zu bleiben?

Zum Glück hat ein jeder Mensch eine unterschiedliche Empfindung. Ich glaube nicht das es an Abwechslung mangelt, sondern dieses Album eine unheimliche Dichtheit besitzt, fast wie ein Konzept. Natürlich klinkt es dabei nach uns. Ich war damals begeistert vom ersten Talk Talk Album, weil für Jeden einen Song dabei war. Ich liebe aber auch The Colour of Spring, da hat man wieder das Gefühl jeder Song ist unterschiedlich aber aus dem gleichen Holz geschnitzt. Wir werden die Musik nicht analysieren, wir fühlen sie und nehmen sie auf. Vielleicht bin ich halt ein öder, alter Zynist, ein düster Poet mit Minderwertigkeitskomplexe ;-)



Die Dead Guitars sind quasi ein internationales Trio. Wie beurteilt ihr euren Sound im Hinblick auf die unterschiedlichen Musikmärkte England, die Niederlande und Deutschland? Glaubt ihr, dass euer Stil in diesen drei Ländern unterschiedlich wahrgenommen wird?

Wir sind eine internationale Band. Ralf kommt aus Deutschland, Peter Brough aus Schottland und ich komme aus den Niederlanden. Wir sprechen aber alle die gleiche Sprache der Musik. Diese Sprache verbindet uns. Wir fühlen uns aber in Deutschland sehr wohl, die Deutschen sind meiner Meinung nach ein vielseitig orientiertes Publikum. Wir sind alle immer sehr erfolgreich gewesen. Ich wohne in der Nähe von Amsterdam und vermisse Deutschland manchmal sehr. Ich fühle mich wie ein heimatloser Europeër ;-) Wir haben aber eine gute Presse im Ausland. Die Engländer lieben die Musik, die Holländer sitzen nur an den Grachten, schauen auf die Windmühlen und tragen Holzschuhe, links das Käsehäppchen, rechts den Joint ;-) Nein auch hier mag man uns!



Plant ihr, „Airplanes“ auch international zu veröffentlichen?

Wir sind dabei, wir werden sehen, ihr werdet hören, oder auch nicht, who knows? Not me.. we’ll see! :-)

Ganz lieben Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! J

Aber immer gerne !! Lg. Carlo

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