Interview Sonic Seducer
Autor: Uwe Marx / März 2009
Sonic: The Convent sind noch immer aktiv, trotzdem werden Dead Guitars oft als ihr Nachfolger wahrgenommen. Vielleicht wegen dem nahtlosen Übergang vom letzten Convent-Album zum Debüt von DG von 2007? Oder woran mag das liegen?
Carlo: The Convent sind eigentlich nicht mehr aktiv, sondern machen gerade noch zwei Konzerte, davor war seit 2002 nichts mehr, danach wahrscheinlich auch nichts mehr. Wir haben uns nur nicht aufgelöst, weil ich es schrecklich finde, das von vielen Bands diese Reunions immer nur dazu missbraucht werden, um die Leuten in die Läden zu locken. So haben wir die Freiheit, immer dann, wenn wir mal wieder Lust haben etwas zusammen zu machen. Dead Guitars begann in 2003, also unmittelbar nach der Convent-Pause. Man kann also ruhig von einem Nachfolger sprechen, obwohl Dead Guitars wieder etwas anderes ist, nur mit dem gleichen Sänger.
Ralf: Ehrlich gesagt, ich war in den 80ern & 90ern mit meinen alten Bands "Twelve Drummers Drumming" & "SUN" ständig auf Tour und habe da bestenfalls "The Convent"-Tourposter gesehen. Habe aber vor 10 Jahren mal Gitarrist Jojo in Hamburg kennengelernt. Sicher, Carlo prägt mit seiner Stimme das Gesicht einer Band. Ab den frühen 80ern Alben zu veröffentlichen & sich "den Arsch abzuspielen", da kommt bei Dead Guitars einiges an gemeinsamen Erfahrungen zusammen. Wir schauen aber nicht zurück, ich hasse Revivals & Coverbands.. In erster Linie waren wir uns sympathisch und wollten 2003 was Neues aufbauen.
Sonic: White Rose Transmission existiert noch, The Convent auch. Fällt es da nicht schwer, diese bisweilen musikalisch ähnlichen Bands zu trennen? Gerade, wenn man nicht so häufig zusammen probt und in großen Entfernungen auseinander wohnt.
Carlo: White Rose Transmission war für mich und für Adrian Borland ein Projekt, wo wir unsere "anderen musikalischen" Saiten aufziehen konnten. WRT gibt es immer nur dann, wenn wir es wollten, kein Druck von Plattenfirmen und Touragenturen. WRT war und ist ein kreatives Nebengleis, keine Hauptstrecke, deshalb glaube ich auch, dass es immer wieder erfrischend ist etwas Neues zu machen. Es gibt keine Erwartungen. Die neuen Bandmitglieder von WRT kommen aus Holland, daher ist das üben kein Problem für mich, da ich seit 2002 wieder in den Niederlanden wohne. Mit Convent habe ich seit 2002 nicht mehr geübt, daher auch kein Problem.. Gladbach und Utrecht sind 2 Stunden mit der Bahn, bis dahin habe ich wieder ein paar Texte geschrieben.
Sonic: Wer hat eigentlich die Band gegründet? Wer ist noch heute die treibende Kraft, die alles zusammenhält?
Carlo: Peter Brough und ich haben angefangen und Ralf Aussem war ziemlich schnell dabei, damals waren auch Kurt Schmidt und Peter Körfer an Bord. Nun sind Patrick Schmitz und Sven-Olaf Dirks dabei. Wir treiben wirklich gemeinsam das Kind voran. Jeder hat seine Aufgaben und die machen wir gemeinsam sehr gut!
Ralf: Ich bekam 2002 einen Anruf von Pete. Solle mir mal was anhören und direkt Instrumente mitbringen, Songs mit Carlo, Pete & Kurt (Basser von 12DD & SUN). Für mich war es eine Art Fortführung unserer gemeinsamen alten Band: "twelve drummers" - nur mit Carlo als Sänger. Nach der ersten Songwriting-Session war mir klar, dass ich dazu gehören möchte. Kurz danach ging es schon ins Studio um die ersten Songs aufzunehmen.
Sven-Olaf: Patrick und ich sind erst später als neue Rhythmus-Gruppe eingestiegen, vier Jahre nachdem Carlo und Pete das Projekt gestartet hatten.. Carlo ist die treibende Kraft als Poet / Sänger und wenn wir auf der Bühne stehen – der Organisator der alles zusammenhält ist aber Pete. Er macht die wichtigen Kontakte und hat auch mich und Patrick in die Band geholt. Musikalisch war Ralf beim neuen Album der treibende Motor. Er hat die meiste Zeit im Studio an den Songs und Sounds gearbeitet und als Produzent neue Einflusse in unseren Stil gebracht. Patrick macht außer Rhythmus auch den Apple-Operator bei Aufnahmen und viel Artwork und ich zunehmend Pressearbeit. Also eine gute Arbeitsteilung.
Sonic: Insbesondere durch 12 Drummers Drumming oder auch Bands wie SUN seid ihr schon in Berührung gekommen mit großen Budgets, tollen Studios, Ruhm, etc. im Musikbiz. Ist es da nicht eine große Umstellung, mit DG auf eher kleinen Bühnen zu stehen? Nicht mehr von Musik leben zu können?
Carlo: Ich glaube das nicht ein einziger von uns von der Musik leben konnte, obwohl wir alle in "großen" Bands gespielt haben, die bei Major Companies unter Vertrag waren. Ich habe ziemlich viele Freunde in verschiedenen Bands, die alle davon nicht leben können. The Sound, The Church, The Chameleons. Für einige Zeit vielleicht schon, aber eher schlecht als recht. Wir haben alle unser Leben neben der Band. Ich habe das immer so gewollt. Ich habe nie richtig den Durchbruch angestrebt. Ich mache Musik, wenn es sein soll auch gerne für ein paar Freunde um den runden Tisch. Der Entstehungsprozess von Musik hat mir immer Spaß gemacht, nicht das Klinkenputzen um einen Vertrag zu bekommen. Ich liebe kleine Bühnen, unser Publikum auch, das macht jedes Konzert zu einem Erlebnis.
Pete: Ja, da stimme ich mit Carlo überein. Kleine Bühnen haben einen besonderen Reiz. Man hört sich untereinander gut und dazu hat man noch so ein charmantes Wohnzimmergefühl. Der Kontakt zum Zuhörer/Zuschauer ist damit auch sehr viel persönlicher. Für mich sind es schon andere Umstände die eine große Umstellung bedeuten, wenn ich an die 90 er zurückdenke. Alleine die Tatsache dass wir damals 3 Monate in den besten englischen Tonstudios verbracht haben um ein Album aufzunehmen, und dabei auch noch dazu Geld verdient haben. Auch die Fotographen, Produzenten, Manager, Studios, Tontechniker, Hotels, Fluggesellschaften, Videoteams, Plattenfirmen, Verlage, Vertriebe, Booker, Sound & Lichtfirmen, Instrumentenverleih, Cateringservice, Dealer und Roadies haben alle mit verdient. Das ist in der heutigen Zeit und in der Situation in der wir stehen absolut undenkbar. Der Zirkus funktioniert zwar heute noch, jedoch nur noch wegen der unermüdlichen ehrenamtlichen Tätigkeiten unsere treuen Freunde, die uns immer wieder unter die Arme greifen. You know who you are!! Wir produzieren heute unsere Werke selber, mit der vorerwähnten Hilfe, viel Liebe, Zeit und Schweiß. Ich kann nicht sagen was besser ist, aber eine Umstellung aus meiner Sicht ist hier nicht zu leugnen.
Ralf: Es ist schon manchmal sehr erschreckend, wie kaputt die Musik-Industrie ist. Aber man hat diesen Virus: Songs zu schreiben, Gigs zu spielen, auf Tour zu gehen, ins Studio zu gehen... Es wird wohl nie aufhören - es ist mein Leben. Und man lernt immer noch, statt alles in Grund und Boden zu verfluchen.
Sonic: Ist Echozone eigentlich Euer eigenes Label? Ich könnte mir vorstellen, dass es ziemlich schwierig ist, heutzutage eine Band wie Euch, die nicht über ein "krasses" Image, spektakuläre Aussagen oder vom früheren Kultstatus zehrt zu vermarkten, oder? Eine Band, die einfach *nur* gute Gitarrenmusik macht, hat es da schwerer, oder?
Carlo: Nein, Echozone ist nicht unser Label, es ist ein Label von Leuten die verstehen worum es in der Musik geht. Einige haben Musik gemacht, oder machen immer noch selber Musik. Es geht darum das die Musiker und die Labelmanager zusammen am gleichen Strang ziehen. Jede neue CD ist ein gemeinsames Baby, damit ist auch jeder dafür verantwortlich. Viele Bands denken das wenn sie einen Vertrag in der Tasche haben, die Sorgen aufhören. Sie fangen damit erst an. Es muss getourt werden, es müssen Folgealben auf den Markt, Trends gefolgt werden und die Musik muss angepasst werden.
Sonic: Trotz der ganzen erfolgreichen anderen Bands an denen Eure Mitglieder beteiligt sind/waren, seid ihr noch relativ neu. Neue Band doch immer ein bisschen wieder von vorne anfangen, oder?
Carlo: Ja, neuer Name, neues Glück und damit auch wieder ein langer Weg, wenn man erfolgreich sein will. Weißt du, Erfolg lässt sich schwer messen, kann aber auch so einfach sein. Wenn ich zurückschaue auf mein musikalisches Leben, sehe ich soviele Farben, schöne bunt eingefärbten Flächen. Ich durfte mit so vielen meiner Helden und so vielen neuen Menschen arbeiten. Ich bin total erfüllt. Wenn ich dann sehe das U2 in alle Stadien der Welt spielen, müsste ich mich ja wieder ganz klein fühlen, oder? Tue ich aber nicht, ich schaue lieber zurück und halte fest an das, was ich getan habe, erfreue mich und schreibe leise weiter.
Ralf: Da gibt es auch leicht unterschiedliche Erwartungen in unserer Band. Viele alte Kontakte sind weggebrochen, Downloads, brennen... einige sind auf der Strecke geblieben. Ein paar Idealisten machen weiter...
Sonic: Bei DG ist auch eine gewisse Abneigung gegen aktuelle Strömungen des Musikbiz zu spüren... z.B. Myspace mögt Ihr nicht so, oder?! Trotzdem muss man wohl bei derartigen Geschichten heutzutage mitspielen. Ihr habt ja auch einen sehr aktiven Account bei myspace...
Carlo: Nein, im Gegenteil…ich mag Myspace! Es ist zum ersten Mal wieder eine Möglichkeit, längst vergessene Bands wiederzufinden. Seine eigene Musik zu präsentieren und viele Freunde zu treffen. Ich bin kein alter nostalgischer Sack ;-) Ich liebe die Internet-Entwicklung sehr. Heute können auch neue, junge und frische Bands ihre Musik wieder zeigen und hören lassen. Das ist eine gute Entwicklung!
Sonic: Wie kommt eigentlich Euer Bandname zustande?
Carlo: Adrian Borland schrieb einen wunderschönen Song auf der letzten WRT cd die wir zusammen machten. Dead Guitars hieß der Song. Als wir lange überlegt hatten und die Hälfte der Bandnamen schon im Internet vertreten waren, die uns eingefallen waren, dachten wir, warum nicht Dead Guitars. Jim Morrison meinte irgendwann die Gitarren wären tot, Jimmy Hendrix war auch der Meinung und auch John Lennon hatte es mit dem Aussterben der Gitarren. Passender Name also.
Ralf: Habe den Song "dead guitars" gestern noch bei einer netten Situation gehört. Gigantisch gut & traurig zugleich. Ich war THE SOUND & CHAMELEONS–Fan der ersten Stunde. Danke Carlo.
Sonic: Wie seid ihr als relativ kleine Band eigentlich an den Job des Supports auf der Tour mit Mission gekommen?
Ralf: Pete & ich waren 1990 mit 12DD in London im Studio. Wir waren ein halbes Jahr dort im Columbia Hotel, dort war auch THE MISSION untergebracht und man traf sich nachts immer in der Hotelbar...Party! Pete & ich wurden damals gefragt bei The Mish einzusteigen. Das war die Zeit der "Carved In Sand" - Production & Simon ist ausgestiegen. Weird, denn auf der Tour im letzten Jahr hab ich Simon dann kennengelernt. Was für ein Typ. OK, damals hatten wir einen Deal (wie The Mish, auch bei Phonogram) und Pete & ich konnten beide nicht bei The Mission einsteigen - shit happens... aber Wayne hat sich an uns erinnert & ihm gefiel das Airplanes Album sehr.
Sonic: Wie sieht es hier mit ein paar Tourgeschichten aus? Gab es Skandale im Backstage? Wart Ihr schließlich auch bei deren London Gigs vor Ort?
Carlo: It’s a gentleman agreement nicht über die Tour zu reden, genauso wenig wie über ein nächtliches Abenteuer ;-) Eine schöne Geschichte fand ich als The Mission Motorprobleme hatten in Spanien. Wir fuhren ziemlich dicht hinter deren Nightliner her, weil die Fahrer schon gesagt hatten, dass die Engländer Probleme hatten. Irgendwann frühmorgens standen die in der Mitte von Nirgendwo, Turbolader kaputt und viel Ölverlust, Motorschaden also. Die Mission’s hatten einen kurze Nacht hinter sich und sahen ziemlich schlecht aus. Wir haben dann unsere Kojen im Nightliner zur Verfügung gestellt und gesagt dass die mit unserem Bus mitfahren könnten. Wayne sagte, "great" legte sich in der Koje und schlief. Das war so witzig, wie der von einem Bus in den nächsten ging und sich pennen legte, so als ob nichts geschehen wäre.
Sven-Olaf: Die ganze Tour war wie eine riesen Party mit Freunden und wir haben den ersten Gig in London gemeinsam mit The Mish gespielt – tolle Kulisse im Shepherds Bush Empire, das alte Theater war bis in die oberen Ränge ausverkauft und Kamerateams haben alles für eine DVD Produktion aufgezeichnet. Richtige Skandale gab es eigentlich nicht, aber für das Konzert in Kroatien gab es schon richtig Stress - der Zoll wollte unsere Busse mit Instrumenten und Backline nicht durchlassen, da irgendwelche Papiere fehlten – Kroatien ist noch nicht EU-Binnenmarkt. Der Veranstalter musste The Mission im Privatauto rein schmuggeln und hat alle Verstärker und Instrumente schnell angemietet, damit das Konzert nicht platzt – scheiss Bürokratie.
Ralf: Die erste London-Show haben wir Support gemacht. Dort waren übrigends die meisten meiner Freunde im Publikum. Ich habe schon öfter London & England-Gigs gespielt. Es ist schon was besonderes & es war eine geile Location. Die ganze Tour war rock'n'roll. Echt der Hammer. Skandalös waren nur die kroatischen Grenzer, die uns nicht rein lassen wollten. Aber wir hatten eine gute Zeit & haben uns mit allen Mish-Leuten bestens verstanden. Haben jetzt noch guten Kontakt mit allen.
Sonic: Glaubt ihr, Wayne stoppt The Mish tatsächlich für immer? Oder gibt es da in 1-2 Jahren das große Comeback mit Best Off-Album und Touren + Festivals? Oder bin ich da etwas zynisch, was die Glaubwürdigkeit des Musikbiz betrifft?
Carlo: Wie ich schon vorhin sagte, ich bin total deiner Meinung. Ich war in 1979 das erste mal bei The Cure, danach noch ungefähr 10 Mal, weil es immer wieder hieß, sie würden sich auflösen. Ich glaube aber das Wayne erstmal genug hat vom Bandleben, nie aber von Musik. Er ist ein erstklassiger Sänger. Aber was weiß ich, vielleicht steigt er ja wieder bei The Sisters ein!
Sonic: Große Ähnlichkeiten zum typischen The Mission-Sound bestehen bei Euch zum Glück nicht. Der einzige Song, der ein bisschen an The Mish erinnert, ist "Pristine". Warum wurde der Track direkt an den Anfang gesetzt?
Carlo: Ich war in den Achtzigern schon ein Fan von The Mission, aber verlor später mein Interesse total an dieser Band. Auf der Tour hat es mir aber wieder sehr gefallen! Pristine, The Mission? Weiß nicht, vielleicht mit einer dunklen Stimme schon.
Ralf: Dead Guitars Songs sind fast alle gute Schluss-Stücke. Einer muss den Opener machen. Ich finde eh, das da keine Ähnlichkeit zu The Mish besteht. Ich kenne jeden Mission-Song, aber Mark (Gitarrist von The Mission) bekam von mir nur die Ansage ein fettes Solo drauf zu spielen...go for it. Er hat so viele Projekte...man könnte auch schreiben: das klingt wie Peter Murphy, oder "wave". Pristine erinnert doch wohl eher an Bob Dylan.
Sonic: Wo wir schon bei den Ähnlichkeiten sind... Bei Track 7, "Slowdown" erinnert das Gitarrenmelodie stark an "Jumpin’ Jack Flash" von den Stones. Ist das ein Zitat, oder geschah das unbewusst?
Carlo: Stimmt, fand ich auch - Deshalb fühle ich mich auch immer so alt bei der Nummer! Nein, war spontan, weiß nicht was sich die Band dabei gedacht hatte. Ich hatte diesen Text im Stau geschrieben und als ich die Nummer auf Band hörte habe ich das darauf gesungen. Irgendwie entwickeln wir uns alle wieder zurück, oder? Live mag ich die Nummer, sie hat etwas Positives und geht schön ab nach Vorne, durch die Mitte und unsere jungen Fans, kennen die überhaupt die Stones?
Pete: Der Gitarren Riff kam völlig unbewusst von mir... dachte ich, war dann sehr erschrocken als man mich später auf die Ähnlichkeit hinwies. Sorry Mr. Richards, I really didn`t intend to copy you. Da sollen die Stones uns verklagen. Wird Zeit dass wir bekannter werden.





