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Zillo Interview 2007


1. Als ich eure CD zum ersten Mal hörte, fiel mir schnell auf, dass ich schon lange nicht mehr (vielleicht seit Disintegration von The Cure) eine Platte voller so schöner, so emotionaler Lieder gehört habe. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, weshalb heutzutage niemand mehr diese Art von Musik macht. Woran liegt das? Habt ihr eine Antwort?


Vielen Dank Stefan für die „bloodflowers“ ;-) Nein im Ernst - es ist schön, mit einer meiner favourite Bands der späten Siebziger verglichen zu werden. Ich habe noch Fotos, auf denen ich im Cure T-Shirt meine ersten Konzerte von 'The Convent' singe; ich war damals 24. Nun, einige Jahre später, neue Band, neue Eindrücke, aber die immer wiederkehrende, bleibende Melancholie. Nur diesmal mit dem Blick nach vorne, Licht am Ende des dunklen Tunnels, Kraft, Wolken brechen auf, es geht weiter. Das ist mein Gefühl mit dieser Band. Ralf und Peter treiben meine Texte musikalisch durch die Wände der eigenen, aufgebauten Mauern meiner Selbst. Die Musik hat Druck. Ich glaube, das war auch damals so bei Disintergration von 'The Cure' - melancholisch, aber mit dem Gefühl der Kraft weiter zu gehen. Keine Resignation, keine Stagnation, statt dessen Auftrieb. Daher ist der Vergleich vielleicht gar nicht so weit her gegriffen. Wenn keiner mehr solche Musik macht, dann wird es höchste Zeit, oder?



2. Ihr seid alles erfahrene Musiker. Wie fühlt es sich an, wenn man nun noch einmal mit einem neuen Projekt an den Start geht? Kribbelt es noch genauso wie früher, wie beim ersten Mal?

Ja, es kribbelt immer noch! Ich habe mit Peter und Ralf zwei Menschen gefunden, bei denen ich mich verstanden fühle. Sie wissen genau den Nerv in mir zu treffen, der bei ihrer Musik anspringt. Damit werden Songs zu Gefühlsausbrüchen, sie bekommen etwas Magisches. Ich habe manchmal während des gesamten Konzerts Gänsehaut, obwohl ich vom Bühnenlicht schwitze. Ich glaube, ich würde aufhören, bevor ich aus anderen Gründen singen würde. When the thrill is over, please turn out the lights.



3. Gibt es für Dead Guitars so etwas wie Ziele, etwas, das ihr erreichen möchtet oder dient euch diese Band hauptsächlich dazu, Spaß an der Musik zu haben?

Ohne „Spaß“ an der Musik wäre sie nicht einmal passiert. Geld gab es nie im Überfluss, also fällt dieser Grund schnell weg. Erfolg gab es für jeden von uns, Ralf und Peter waren mit '12 Drummers Drumming' eine erfolgreiche Band, Ralf später noch mit 'Sun'. Ich hatte und habe Erfolg mit 'The Convent' und 'White Rose Transmission'. Aber wenn man Erfolg überhaupt messen kann, so würde ich sagen, dass wir viel Erfolg hatten, aber das geht nicht ohne den Spaß an der Musik. Für mich gab es nie die Frage, habe ich Spaß daran, sondern das Gefühl, ohne Musik zu machen habe ich keinen Spaß mehr.

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4. Von der Gründung der Dead Guitars bis zum Erscheinen von Airplanes sind satte vier Jahre vergangen. Es gibt Bands, die in dieser Zeit vier Platten veröffentlichen. Wolltet oder konntet ihr nicht schneller mit den Arbeiten an der LP fertig werden?

Wir hatten nicht den Druck. Es sollte unser Debut werden, kein zusammengeschnitzeltes Werk, sondern eine CD mit einer großen Dichte; wir wollten zusammen ein Gefühl entwickeln ohne Deadlines. Wir hatten kein Label, keine Pläne, aber viele Konzerte. Mit Echozone fanden wir ein Lable, das mit der gleichen Leidenschaft seine Bands promotet, mit dem wir Musik machen. Mancher Wein braucht eben seine Zeit zum Reifen.



5. Auf Airplanes sind etliche Lieder mit einer Spieldauer von ca. sieben Minuten. Vor dem Hintergrund, dass Popsongs heutzutage oft in ein Drei-Minuten-Korsett gezwängt werden und hauptsächlich aus Wiederholungen bestehen, sprengt ihr mit diesen Stücken die Konventionen. Absichtlich?

Ich glaube, dass wir nicht auf die Länge der Songs achten müssen. Live kann es sein, dass wir 1,5 Stunden spielen und gerade mal 12 Songs hatten! Was wir haben, ist Zeit…nichts Flüchtiges mehr zu verkaufen…time, time, you have to make the most of your time (the Chameleons).


6. Große Platten schließen mit großartigen Liedern. The Great Escape ist für mich – obwohl nicht Titelsong – so etwas wie die Quintessenz des Albums. Könnt ihr vielleicht ein paar Worte zum Inhalt des Stücks verlieren?

Es waren für mich textlich gesehen wahnsinnig produktive Jahre, ein Leben auf dem Kopf. Tod oder Leben, aufgeben oder kämpfen, verlassen oder bleiben. Welche Richtung du auch wählst, du wählst sie selbst, mit oder ohne die Schuld der „Anderen“. In diesem Song geht es um Verlassen und den immer bleibenden Schmerz deswegen, wann immer du zurückschaust. Ich habe lange überlegt, ob der Song am Ende des Albums stehen sollte, vielleicht sollte man so nicht enden - mit Schmerz. Aber dann dachte ich, doch…“and so I walked away in silence“



7. Was sind die Dead Guitars? Ein Projekt für eine Platte? Eine Band mit Zukunft?

Dead Guitars ist eine Band mit Zukunft; sie hat gerade angefangen in die Zukunft zu gehen, sich vorsichtig herantastend, mit dem Ziel eine Musik zu machen, die zeitlos ist und mit viel Gefühl. Wir wollen nicht in die Charts, sondern in den Himmel kommen ;-) wenn das dennoch über den Weg in den Charts passieren soll, dann eben über die Charts. Ich denke nicht, dass 'Radiohead', 'Talk Talk' , oder 'The Cure' jemals erwartet hatten in den Charts zu kommen. Dieser Weg ist immer offen oder verschlossen und abhängig von so vielen Zufällen und Begegnungen. Wenn das aber das einzige Ziel wäre, kann man besser ein Jahreslos kaufen und weiter träumen. Wir sind hier, die Zukunft hat bereits begonnen! Gitarren sind tot? Es leben die Gitarren!

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